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Naturheilverfahren und komplementärmedizinische Heilverfahren finden in der Bevölkerung hohe Akzeptanz und sind unter niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten weit verbreitet. Während die ärztliche Weiterbildungsordnung unter Naturheilverfahren nur die "klassischen" Naturheilverfahren nach Pfarrer Sebastian Kneipp versteht, zählen große Teile der Bevölkerung und viele Ärzte hierzu zusätzlich Methoden wie die Akupunktur, die Homöopathie, die Chiropraktik und viele andere mehr. Der sich international für dieses erweiterte Methodenspektrum durchgesetzte Begriff ist „Komplementärmedizin“. In den letzten Jahren wird auch zunehmend das Modewort „Integrative Medizin“ benutzt, das sich im deutschen Sprachraum - aus Sicht unserer Einrichtung - nicht eignet, die bestehende Terminologie zu ersetzen.

Der großen Verbreitung von Naturheilverfahren steht ein Defizit an gesichertem Wissen über Nutzen, Risiken und Kosten gegenüber, dessen Behebung eine große Herausforderung darstellt. Normalerweise ist die Schließung solcher Wissenslücken originäre Aufgabe universitärer Forschung. Im Falle der Naturheilverfahren ist dies jedoch kaum möglich. An Universitätskliniken erfolgt i.d.R. eine Behandlung der Maximalversorgung für Schwerkranke. Folglich sind Patienten dort für eine naturheilkundliche Forschung nicht immer geeignet. Erforderlich ist deshalb eine umfassende Einbeziehung nicht-universitärer Einrichtungen wie Praxen und kurörtliche Einrichtungen mit speziellem Versorgungswissen.

Eine weitere Besonderheit der Naturheilkunde - und u. E. auch der Komplementärmedizin - ist die salutogenetische Ausrichtung und Theorienbildung. Die vorwiegend Krankheiten orientierte Sichtweise führte zu einem reaktiven System, das sehr häufig Folgeschäden von Krankheiten versorgt. Im Bereich von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie psychosozialen Überforderungen ist dies mit noch weiter steigenden Prävalenzen evident. Hier sieht das Zentrum Handlungsbedarf und Möglichkeiten, naturheilkundliche Gesundheitsförderung, Krankheitsprävention und Patientenschulung exemplarisch und wissenschaftsbegleitet als proaktive Versorgungsoptionen zu erproben.

Für eine effiziente Prüfung und Durchdringung von Naturheilverfahren sind daher neue Forschungsinfrastrukturen und medizinische Konzepte notwendig, die universitäres Forschungs-Know-how mit praktischer Kompetenz im naturheilkundlichen Anwendungsbereich verknüpfen.

Genau dies war das Ziel des Kompetenzzentrums für Komplementärmedizin und Naturheilkunde (KoKoNat) der Technischen Universität München. Nachdem das Zentrum - vormals ZnF, Zentrum für naturheilkundliche Forschung genannt - sein erstes Ziel, die Integration der Naturheilverfahren in Forschung und Lehre an den Münchener Universitäten erreicht hat, Planstellen für Lehre und Forschung geschaffen wurden, steht nun die Errichtung eines Kompetenznetzwerks mit klinischen Forschungs- und Versorgungskapazitäten im Vordergrund. Die Einzigartigkeit der Infrastruktur des KoKoNat (früher: Münchener Modell bzw. ZnF) mit Forschungszentrum, Ambulanz, ProphylaxeCenter, Klinik- und Praxisforschungsverbund sowie seine zahlreichen internationalen Kontakte bieten hierfür optimale Voraussetzungen. Seit 2020 gehört das KoKoNat als offizielle Forschungsaußenstelle der Fakultät Angewandte Gesundheitswissenschaften der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) an. Die damit verbundene Neuausrichtung des KoKoNat mit dem Arbeitsschwerpunkt im Bereich Forschung soll auch die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Bereich Naturheilverfahren unterstützen.